Archiv der Kategorie ‘Marihuana‘

Cannabis im Keller gezogen

Montag, den 25. Februar 2008

HENNEF. Die Investitionskosten von knapp 8000 Euro haben sich für den Betreiber einer illegalen Cannabis-Plantage nicht gerechnet. Gestern Morgen tauchte die Polizei in dem freistehenden Einfamilienhaus in Hennef auf und beschlagnahmte die groß aufgezogene professionelle Anlage mit 300 Pflanzen, die in sieben Räumen im Erdgeschoss und im Keller aufgebaut war. Bei einem Ertrag von 30 Kilogramm Marihuana oder Haschisch hätten die ausgewachsenen Pflanzen auf dem Drogenmarkt gut 200 000 Euro eingebracht. Gestern Morgen um 6 Uhr schlug die Kriminalpolizei mit elf Beamten und zwei Hunden zu.Nachdem der Schlüsseldienst das Objekt geöffnet hatte, wurde ein vermutlich aus Albanien stammender Mann, Mitte 20, festgenommen, der allerdings kein Deutsch sprach. Das Haus war vermietet, offiziell gemeldet war indes niemand. Und der Besitzer wusste nichts von der Straftat.

Die bundesweite Aktion, die von der Staatsanwaltschaft Neuss initiiert worden war, betraf 200 Objekte, darunter als einziges im Rhein-Sieg-Kreis das Haus in Hennef. Insgesamt waren 1500 Beamte im Einsatz. Allein in Nordrhein-Westfalen nahmen 420 Polizisten 63 Wohnungen und Betriebsräume unter die Lupe. Aufmerksam geworden war das Landeskriminalamt bei einer Durchsuchung eines so genannten Grow-Shops in Aachen, der über Geschäftsräume und Internet professionelles Equipment wie Beleuchtungs- und Bewässerungssysteme vertrieb. Solche Utensilien fanden die Beamten im großen Stil auch in Hennef, wobei in zwei Räumen die Hanfpflanzen schon auf halbe Größe gewachsen waren.

Professionell gingen die Betreiber auch bei der Stromzufuhr vor. Ein Starkstromkabel war vor dem Zähler angezapft worden, um die hohen Energiekosten zu vertuschen. „Das wäre nie aufgefallen“, räumten zwei RWE-Mitarbeiter ein, die gestern Morgen die Anlage untersuchten. Zahlreiche Kabelstränge und Steckdosen waren im ganzen Haus verteilt, um den Pflanzen mit knapp 40 Grad optimale Wachstumschancen zu gewährleisten.

„Da waren absolute Profis am Werk. Es wurden sogar Düngemittel benutzt, um den Ertrag zu steigern“, sagte Burkhard Rick von der Polizei-Pressestelle. „Eine Anlage von diesem Ausmaß hat es bei uns noch nie gegeben“, staunte er selbst. Mit dieser Aktion, so Rick, „soll diese neue Mode auch im Keim erstickt werden.“ Für die Aufzucht von Cannabis droht eine Strafe von bis zu fünf Jahren Gefängnis. RHEINLAND SEITE 38

Polizei: Hanf-Plantagen in Wohnungen gefährlich

Montag, den 25. Februar 2008

Köln - Nach der bundesweiten Razzia gegen Betreiber von Cannabis-Plantagen, hat die Kölner Polizei Bürger aufgerufen, Verdachtsfälle von Plantagen zu melden. Durch laienhafte Installationen könnten Gefahren für andere Hausbewohner ausgehen. Für die Herstellung von Drogen Zuhause brauche man nicht viel: Pflanztöpfe, Bewässerung, Lampen und eine Vorrichtung gegen die Ausbreitung des verräterischen Geruchs.

Für die Aufzucht müsse ein feucht-warmes Klima bei ausreichender Beleuchtung geschaffen werden. Abenteuerliche Elektroinstallationen und überhitzte Lampen seien immer wieder Ursache für Wohnungsbrände. Durch undichte Bewässerungsanlagen entstünden größere Wasserschäden. Daneben gebe es Gesundheitsgefahren durch Schimmelbefall und durch den Einsatz von Pestiziden, Fungiziden sowie durch Gas, das aus schadhaften Hochleistungslampen austrete.

Anzeichen für eine Marihuanaplantage seien dauerhaft verdunkelte Fenster, verlassen wirkende Wohnungen, auffallende Gerüche, unerklärliche Feuchtigkeit im Mauerwerk und nicht erklärbarer Schimmel. Verdächtige Wohnungen sollten immer der Polizei gemeldet werden, da Anpflanzungen auch mit Stromfallen und Selbstschussanlagen gesichert würden. (dpa)

Hanfverkauf nicht erwiesen

Montag, den 25. Februar 2008
Ein 26-Jähriger ist vom Strafgericht wegen Hanfanbaus zu einer bedingten Geldbusse von 24000 Franken verurteilt worden.

Der junge Mann aus dem Sensebezirk hatte bereits 2003 mit der Polizei zu tun: Er hatte etwa 70 Hanfsetzlinge gepflanzt und die Ernte – in Schachteln verpackt – in seiner Wohnung versteckt. Die Sache flog auf, und der Hanf wurde vernichtet. Ein Jahr verhielt er sich ruhig, dann versuchte er es erneut. Auf Grund eines Verdachts klopfte die Polizei im November 2006 wieder bei ihm an und beschlagnahmte bei der Hausdurchsuchung rund 50 Kilo getrocknete Hanfblüten – allem Anschein nach die Ernten von 2005 und 2006.

Woher kommt das Geld?

Er sei sich schon bewusst gewesen, dass seine Ware einen gewissen Wert gehabt habe (etwa 1000 Franken pro Kilo) und als Betäubungsmittel geeignet gewesen sei, erklärte der Angeklagte vor dem Strafgericht des Sensebezirks. Er gab zwar zu, dass er mit dem Hanfanbau Geld verdienen wollte. «Ich habe aber nie Hanf verkauft», betonte er, weil er keinen Käufer gefunden habe. Bereits der Untersuchungsrichter hatte aber die Vermutung geäussert, dass die auffallende Häufung von Vermögenswerten auf den Konten des Mannes kaum allein durch ehrliche Arbeit hätte erzielt werden können. Auch Gerichtspräsident Peter Rentsch versuchte, der Spur des Geldes zu folgen.

Ein sparsamer Mensch

Der Mann gab zu, ab und zu Schwarzarbeit geleistet zu haben. Er betonte aber, dass er sparsam sei. «Ich war immer darauf aus, Geld zu verdienen», meinte er und bezeichnete sich als geldgierig. «Ich gehe jeden Tag arbeiten und habe eine gute Stelle.» «Um so viel sparen zu können, müsste man ja monatlich 2000 Franken beiseitelegen. Das können nicht alle Leute», stellte Peter Rentsch fest. «Dann machen sie etwas falsch», antwortete der Angeklagte.

Warum er nach der Beschlagnahmung 2003 weitergemacht habe, wollte Peter Rentsch wissen. «Es ist mir ja nicht viel passiert. Also dachte ich, ich probiere es noch einmal.» Den Ernst der Lage habe er erst kapiert, als er in Handschellen abgeführt worden sei und in Untersuchungshaft gesessen habe.

In dubio pro reo

«Hat er mit dem Hanf einen Umsatz erzielt oder nicht? Das ist die Kernfrage», hielt Verteidiger Markus Meuwly fest. Er wies darauf hin, dass keine Hinweise auf Abnehmer gefunden werden konnten. Deshalb plädierte er dafür, dass man nach dem Prinzip «Im Zweifel für den Angeklagten» davon ausgehen solle, dass es beim Anbau blieb. Sein Antrag lautete auf eine Geldstrafe von 60 bis 90 Tagessätzen und dank günstiger Prognose auf eine bedingte Strafe.

Das Gericht verurteilte den Mann zu 240 Tagessätzen à 100 Franken, bedingt, mit einer Probezeit von drei Jahren. Rentsch machte in der Urteilsbegründung keinen Hehl daraus, dass das Gericht seine Zweifel über die Herkunft des Geldes hatte. «Die Zweifel konnten aber nicht überbrückt werden

Hanfpflanzen waren zwei Meter hoch

Montag, den 25. Februar 2008

Euskirchen - Wegen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln wurde jetzt ein 22-jähriger Angeklagter vor dem Euskirchener Amtsgericht verurteilt. Das Gericht nahm ihm die Behauptung nicht ab, er habe keine Ahnung davon gehabt, was er da in seinem Garten anbaute.Am 3. September 2007 war die Polizei bei dem Angeklagten aufgekreuzt. Zuvor hatten die Beamten zwei Kumpels des 22-Jährigen in der Nachbarschaft besucht. Die beiden Brüder bauten Cannabis an, und zwar schon recht professionell, wie ein beteiligter Oberkommissar sagte. Kaum hatten die Beamten diese Plantagen konfisziert, ging bei ihnen ein anonymer telefonischer Hinweis auf eine weitere Anbaufläche in dem Euskirchener Außenort ein. Der Anrufer schwärzte den Angeklagten an.

Die Ausbeute war bei ihm indes weit geringer als bei den „Kollegen“. Die Beamten sichteten sechs Cannabis-Pflanzen, die aber immerhin zwei Meter in die Höhe ragten. Der Wirkstoffgehalt betrug lediglich 10,3 Gramm und war überdies qualitativ nicht sonderlich hochwertig.

Zu dumm, dass die 10,3 Gramm knapp über dem Richtwert von „geringen Mengen“ (7,5 Gramm) lagen. So brachten die sechs Hanfpflanzen den 22-Jährigen wegen „Anbaus von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ auf die Anklagebank. Der Gesetzgeber sieht in diesem Straftatbestand ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr. Der Angeklagte war sich indes keiner Schuld bewusst.

Das Tütchen mit den Samen habe er geschenkt bekommen. Dass in der Samenmischung auch Hanf enthalten war, habe er nicht gewusst. Nicht einmal die ausgewachsenen Pflanzen habe er als Cannabis erkannt. Spätestens, nachdem der Oberkommissar ausgesagt hatte, dass er den Angeklagten bei einem munteren Schwätzchen mit dem Vater jener Kumpels angetroffen habe, die in der Nachbarschaft „professionell“ Cannabis angebaut hatten, war diese Verteidigungsstrategie aber zum Scheitern verurteilt.

Selbst Verteidiger Michael Hermans plädierte nun nicht mehr auf Freispruch. Für ihn stand jetzt im Vordergrund, seinen Mandanten vor dem Gefängnis zu bewahren. Denn der 22-Jährige hat bereits neun Eintragungen in seinem Vorstrafenregister. Unter anderem hatte der Angeklagte einem der beiden Brüder aus der Nachbarschaft bei einem gemeinsamen Kneipenbesuch eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen. Dafür setzte es fünf Monate auf Bewährung. Als der Angeklagte, wie Verteidiger Hermans sagte, „wie ein Berserker eine Verkehrsinsel aus der Verankerung riss“, wurde er bei der Polizei als Drogenkonsument aktenkundig. Einem nicht „gedopten“ Täter hatten die Beamten einen derartigen Kraftakt wohl nicht zugetraut. In Wahrheit habe sein Mandant aber noch nie Kontakt zu Drogen gehabt, sagte Hermans. Die Vorstrafen seien nicht einschlägig und sein Mandant sei auf dem besten Weg, ein ordentliches, straffreies Leben zu führen.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Gisbert Unkelbach ließ Milde walten und wertete den Hanfanbau als „minderschweren Fall“. Unter Einbeziehung der beiden letzten Vorstrafen schnürte man ein „Gesamtpaket“ von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung.

Kalifornien: Marihuana per Knopfdruck

Montag, den 25. Februar 2008

Im US-Bundesstaat Kalifornien werden derzeit die ersten Marihuana-Automaten in Betrieb genommen. Nur registrierte Patienten können sich zu medizinischen Zwecken daran bedienen.

Die ersten beiden Hanf-Verkaufsautomaten sind nach Angaben des Herstellers in dieser Woche in Los Angeles aufgestellt worden. Er wolle den Patienten den Zugang zu ihrer Medizin erleichtern, sagte Vincent Mehdizadeh, Betreiber des Zentrums für pflanzliche Ernährung (Herbal Nutrition Center) der Zeitung “Los Angeles Daily News”. Bedienen können sich nur registrierte Patienten mit ärztlichem Rezept. Sie erhalten Zugang per Magnetkarte und nach dem Prüfen ihres Fingerabdrucks. Zur Sicherheit werden die Automaten bewacht, zudem wird die Transaktion von einer Kamera festgehalten.

Die kalifornischen Wähler hatten 1996 in einem Referendum dafür gestimmt, das Rauschmittel als Medikament einzusetzen. In insgesamt elf US-Staaten ist Marihuana zur Behandlung von Schmerzen und Appetitlosigkeit zugelassen. Nach den Bundesgesetzen ist Marihuana aber eine illegale Droge, deren Anbau und Vertrieb verboten ist.

Die Maschine bietet 5 verschiedene Sorten Marihuana in Mengen von drei, fünf und sieben Gramm an. Patienten können pro Woche höchstens 28 Gramm der Arznei beziehen. Mehdizadeh verspricht sich von der Automatisierung einen bequemeren und billigeren Vertrieb rund um die Uhr. Das Herbal Nutrition Center in Los Angeles ist eine von mehr als 200 Arznei- Ausgabestellen in dem Westküstenstaat für medizinisches Marihuana. (küs/dpa)

Cannabis und Alkohol an der Mittelschule

Montag, den 25. Februar 2008

Neun von 234 Schülerinnen und Schülern des Kollegis trinken nie Alkohol. 16 Prozent hatten schon mehrmals einen Vollrausch, und ein Drittel kifft mehr oder weniger regelmässig.

Cannabis und Alkohol an der Mittelschule Die beiden Maturandinnen Martina Häfeli (links) und Yvonne Arnold. (Foto: Daniel Regli)

Alkoholmissbrauch und Cannabiskonsum sind häufige Schlagwörter, wenn es darum geht, die Jugend zu kategorisieren. Den Schlagwörtern Fakten hinzufügen wollten die beiden Maturandinnen Martina Häfeli, Sisikon, und Yvonne Arnold, Attinghausen. Anhand ihrer Arbeit zeigen sie auf, wie es in Sachen Alkohol und Cannabis bei den Oberstufenschülerinnen und -schülern an der kantonalen Mittelschule Uri steht. «Wir wollten wissen, ob die Jugendlichen in Uri gleich viel Alkohol trinken und ob in Uri mehr gekifft wird als in der restlichen Schweiz», erklärt Martina Häfeli. Eines vorweg: «Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Cannabis sind wir heute nicht mehr vollumfänglich für dessen Legalisierung», betont Martina Häfeli.

Die Hälfte hat noch nie gekifft

Zwar werde an der Mittelschule Uri weniger Cannabis konsumiert als in der übrigen Schweiz. 52,1 Prozent gaben an, noch nie Hanf konsumiert zu haben. Während schweizweit 42,9 Prozent von sich sagen, sie hätten noch nie gekifft. Auch bei der Konsumhäufigkeit stehen die Urner Jugendlichen besser da: 2,6 Prozent kiffen mehrmals pro Woche – dreimal weniger als in der restlichen Schweiz. Trotzdem konsumieren in Uri rund ein Drittel der Befragten regelmässig Hanfprodukte. Für die beiden Maturandinnen zu viele: «Es besteht die Gefahr einer Banalisierung des Cannabiskonsums – das kann ernste Folgen haben», ist sich Martina Häfeli sicher.

Bier, Cocktails und gerne Wein

Auch beim Alkoholkonsum stehen Urnerinnen und Urner besser da: An der Mittelschule besaufen sich die Jugendlichen weniger oft und weniger heftig als im Rest der Schweiz. Zumindest ein Drittel der Befragten, so die beiden Maturandinnen, hatten noch nie einen Vollrausch. Schweizweit betrachtet, gaben nur gerade rund 1 Prozent der Jugendlichen an, noch nie einen Vollrausch «geschwungen» zu haben. «Böse Zungen behaupten, dass in Uri das Trinken weit verbreitet ist. Dem ist nicht so – zumindest bei den Mittelschülern», weiss Yvonne Arnold. Herausgefunden haben die beiden noch etwas anderes: Die Schülerschaft am Kollegi trinkt gerne Wein. 12 Prozent der von ihnen Befragten bevorzugen Wein. Schweizweit lieben nur gerade 3,6 Prozent den Rebensaft. Am beliebtesten aber ist Bier: Am Kollegi trinken 43,5 Prozent hauptsächlich den Gerstensaft – über die ganze Schweiz betrachtet, sind es rund 14 Prozent. Am Gymnasium in Altdorf folgen an 2. Stelle die Cocktail-Getränke, in der restlichen Schweiz sind es die Alcopops.

234 Befragte am Kollegi

Für den – wie die beiden betonen, nicht repräsentativen – Vergleich standen ihnen 234 Schülerinnen und Schüler, welche das Obergymnasium oder die Fachmittelschule besuchen, zur Verfügung. Die beiden Maturandinnen verteilten Fragebögen an die 4., 5. und 6. Klassen der kantonalen Mittelschule und an die drei Klassen der Fachmittelschule. Um einen Vergleich anzustellen, verglichen sie ihre Zahlen mit den Daten der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA). Vielleicht sähe dieser aber anders aus, wenn neben dem Kollegi auch noch die Berufsschule mit einbezogen worden wäre. «Leider hatten wir nicht die notwendigen Mittel, um unsere Untersuchung breiter anzulegen», bedauert Martina Häfeli.

“Die Zeiten stehen günstig für Haschisch”

Montag, den 25. Februar 2008

Die Cannabisbauern in der libanesischen Bekaa-Ebene profitieren vom politischen Chaos

 

Bekaa - Die schmale Straße schneidet tief in die spröde, winterstille Agrarlandschaft. Am Horizont stößt eine Gipfelkette gegen den Himmel; die Felder, kleine Flecken feuchter, rotbrauner Erde, erstrecken sich hinauf bis zur Hälfte der Hänge. Weil das libanesische Haschisch auf diesem rostfarbenen Boden wächst, nennt man es den Roten Libanesen. Die Anbauflächen liegen rund anderthalb Stunden nordöstlich von Beirut, nahe der Grenze zu Syrien. Auf Plakaten am Straßenrand erinnert Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah an seine Macht. Wenn die gelben Banner seiner Miliz immer häufiger auftauchen, ist es nicht mehr weit.

Taraya ist eines von rund einem Dutzend Dörfern in der nördlichen Bekaa-Ebene. Ali Hamiyeh, der Dorfvorsteher, deutet über die leer geernteten Äcker. “Normalerweise pflanzen die Bauern hier Obst, Gemüse und Weizen und am Rand vielleicht ein bisschen Cannabis”, sagt der sehnige Enddreißiger. “Doch in der vergangenen Saison haben sie wieder beträchtliche Mengen angebaut.”

Dabei liegt die Zeit, in der das Land als das wichtigste Drogenanbaugebiet des Nahen Ostens galt, lange zurück: Während des Bürgerkriegs von 1975 bis 1990 strömten aus dem Libanon jährlich bis zu 1000 Tonnen Haschisch und 50 Tonnen Opium auf die internationalen Märkte. Nach dem Kriegsende setzte die Regierung dann eine strikte Antidrogenpolitik durch. In jedem Jahr überprüfen Polizei und Armee seither die Felder: Dort, wo sie Cannabis finden, pflügen sie die Erde um oder brennen die Pflanzen ab. Aus Furcht, ganz ohne Erträge dazustehen, hatte sich die überwiegende Mehrheit der Bauern zehn Jahre lang auf legale Produkte beschränkt.

Nun sind offiziellen Schätzungen zufolge in der vergangenen Saison zwischen 7000 und 7500 Hektar Land mit Hanf bepflanzt worden - so viel wie seit dem Ende des Bürgerkriegs nicht mehr. Diese Wende spiegelt die wachsende Instabilität des Landes: Die sowieso knappen Kapazitäten der Armee sind seit Monaten bis an ihre Grenzen ausgeschöpft. Der Machtkampf zwischen der prowestlichen Regierung und der Opposition unter Führung der Hisbollah stürzt den Libanon zusehends tiefer in die Krise. Seit Ende November hat das Land nicht einmal mehr einen Präsidenten, weil die rivalisierenden Lager die Wahl eines Staatsoberhaupts blockieren. So ist die Armee derzeit damit beschäftigt, in den Straßen von Beirut darüber zu wachen, dass die Spannungen nicht zu offener Gewalt führen.

Zusätzlich hielten im vergangenen Jahr schwere Unruhen das Militär in Atem: Just als die Zeit der Aussaat begann, schlug im Norden des Landes eine al-Qaida-nahe Terrorgruppe los und verwickelte die Armee in dreimonatige Gefechte. “Die Bauern haben die Nachrichten verfolgt und daraus geschlossen, dass die Zeichen wieder einmal günstig für Haschisch stehen”, schildert Ali Hamiyeh, der Mukhtar von Taraya.

Die nördliche Bekaa-Ebene gehört im Libanon ohnehin zu den Regionen, die der Autorität der Regierung weitgehend entzogen sind. Stattdessen hält hier die Hisbollah die Macht. Die islamistische Organisation lehne Drogen strikt ab, sagt Hamiyeh, “Sie unterstützen es nicht, aber sie verhindern es auch nicht”, erklärt er knapp und weigert sich, weitere Fragen zu beantworten. Es ist unklar, ob die Hisbollah von dem Geschäft profitiert. Zweifelsohne würde sie ihren Rückhalt in der Bevölkerung aufs Spiel setzen, wenn sie den Bauern die profitabelste ihrer wenigen Einnahmequellen nähme.

Im Libanon nimmt die Drogenproduktion jedes Mal dann zu, wenn die staatliche Kontrolle zurückweicht, sagt Raghed Assi vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) in Beirut: “Daher ist davon auszugehen, dass diesen Sommer die ganze Bekaa-Ebene meterhoch voller Cannabis stehen wird.” Die wirtschaftliche Not ließe den Bauern kaum eine Wahl. In den 90er-Jahren konnte die Regierung den Anbau zwar um 95 Prozent reduzieren, versäumte es aber, andere tragfähige Einkunftsmöglichkeiten für die Region zu entwickeln.

Raghed Assi arbeitet nun gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium daran, die Rentabilität von Industriehanf in der Bekaa-Ebene zu prüfen. “Das Problem ist, dass die Menschen von den Erträgen gewöhnlicher Agrarerzeugnisse nicht überleben können”, sagt er. Äpfel zum Beispiel würfen auf 1000 Quadratmetern bestenfalls 100 Dollar ab, während Cannabis rund den zehnfachen Gewinn einbrächte. Mit den niedrigen Preisen ihrer Mitbewerber aus den wesentlich größeren Flächenstaaten Türkei und Syrien könnten die Bauern in der Nordbekaa schlicht nicht mithalten, erklärt der Agrarwissenschaftler: “Daher werden sie immer wieder zu den Rauschmitteln zurückkehren, wenn sie eine Gelegenheit dazu sehen.” Genau dazu kam es nun im vergangenen Jahr: Keinen einzigen Quadratmeter habe das Militär vernichtet. Dort, wo sich die Armee vereinzelt näherte, schossen Bauern gar auf Soldaten, in einem Fall sogar mit Granaten.

So sinkt die Bekaa-Ebene zusehends weiter in die Gesetzlosigkeit ab. Neben Drogen werden hier die Waffen gehandelt, die über Syrien eingeschmuggelt werden. Mehrfach wurden in der Gegend in den vergangenen Monaten Mitglieder islamistischer Terrornetzwerke festgenommen. Die Straßen durch diese entlegene Landschaft sind von Checkpoints unterbrochen. Yammouneh liegt in einem Talkessel, umgeben von schroffen, scharfkantigen Bergen. Der Mann, der sich Abu Hassan nennt, gehört mit 20 000 Quadratmetern zu den größeren Landbesitzern des Dorfes. 500 Kilogramm Haschisch ernte er jedes Jahr; pro Kilogramm bringe ihm das 500 bis 700 Dollar ein. “Ich habe es einmal mit Kartoffeln versucht. Das mache ich nie wieder, da habe ich 200 000 Dollar Verlust gemacht”, schimpft er. “Ich muss meine Familie ernähren, was soll ich also tun.” Der kleine, stämmige 45-Jährige trägt einen Parka, Camouflagehosen und um den Hals das traditionelle arabische Tuch mit den schwarz-weißen Muster, die Kufija. Sein Haus steht direkt neben der Dorfmoschee; an der Wand des Wohnzimmers hängen Porträts von Ayatollah Khomeini. “Gott hat die Erde hier so geschaffen, dass Cannabis gedeiht und sonst nichts”, erklärt er. “Die Pflanzen brauchen keinen Dünger, nur ein wenig Wasser, dann wachsen sie von alleine.” Er und seine Nachbarn hätten nicht das Gefühl, dass die Regierung irgendetwas tut, um zu helfen, sagt der Bauer und zuckt die Schultern: “Dafür behelligt sie uns aber auch nicht weiter und schreitet nicht ein, wenn wir das Gesetz brechen.