Cannabis im Keller gezogen
HENNEF. Die Investitionskosten von knapp 8000 Euro haben sich für den Betreiber einer illegalen Cannabis-Plantage nicht gerechnet. Gestern Morgen tauchte die Polizei in dem freistehenden Einfamilienhaus in Hennef auf und beschlagnahmte die groß aufgezogene professionelle Anlage mit 300 Pflanzen, die in sieben Räumen im Erdgeschoss und im Keller aufgebaut war. Bei einem Ertrag von 30 Kilogramm Marihuana oder Haschisch hätten die ausgewachsenen Pflanzen auf dem Drogenmarkt gut 200 000 Euro eingebracht. Gestern Morgen um 6 Uhr schlug die Kriminalpolizei mit elf Beamten und zwei Hunden zu.Nachdem der Schlüsseldienst das Objekt geöffnet hatte, wurde ein vermutlich aus Albanien stammender Mann, Mitte 20, festgenommen, der allerdings kein Deutsch sprach. Das Haus war vermietet, offiziell gemeldet war indes niemand. Und der Besitzer wusste nichts von der Straftat.
Die bundesweite Aktion, die von der Staatsanwaltschaft Neuss initiiert worden war, betraf 200 Objekte, darunter als einziges im Rhein-Sieg-Kreis das Haus in Hennef. Insgesamt waren 1500 Beamte im Einsatz. Allein in Nordrhein-Westfalen nahmen 420 Polizisten 63 Wohnungen und Betriebsräume unter die Lupe. Aufmerksam geworden war das Landeskriminalamt bei einer Durchsuchung eines so genannten Grow-Shops in Aachen, der über Geschäftsräume und Internet professionelles Equipment wie Beleuchtungs- und Bewässerungssysteme vertrieb. Solche Utensilien fanden die Beamten im großen Stil auch in Hennef, wobei in zwei Räumen die Hanfpflanzen schon auf halbe Größe gewachsen waren.
Professionell gingen die Betreiber auch bei der Stromzufuhr vor. Ein Starkstromkabel war vor dem Zähler angezapft worden, um die hohen Energiekosten zu vertuschen. „Das wäre nie aufgefallen“, räumten zwei RWE-Mitarbeiter ein, die gestern Morgen die Anlage untersuchten. Zahlreiche Kabelstränge und Steckdosen waren im ganzen Haus verteilt, um den Pflanzen mit knapp 40 Grad optimale Wachstumschancen zu gewährleisten.
„Da waren absolute Profis am Werk. Es wurden sogar Düngemittel benutzt, um den Ertrag zu steigern“, sagte Burkhard Rick von der Polizei-Pressestelle. „Eine Anlage von diesem Ausmaß hat es bei uns noch nie gegeben“, staunte er selbst. Mit dieser Aktion, so Rick, „soll diese neue Mode auch im Keim erstickt werden.“ Für die Aufzucht von Cannabis droht eine Strafe von bis zu fünf Jahren Gefängnis. RHEINLAND SEITE 38






